
Das ist Hans-Martin. In seinen Händen hat Hans-Martin einen tollen Koffer voller Geld. 500.000 €, um genau zu sein. Die hat er am Samstag bei Schlag den Raab gewonnen. Das ist eine Sendung, die der neue Samstagabendstern am Quotenhimmel ist. Quasi das Wetten daß? der Neuzeit, was Mutti und Papi nun auch gerne mit dem Früchten ihrer Lenden nach dem Abendessen genießen, seit der Gottschalk so langweilig geworden ist und sich die Goldlöckchen abgeschnitten hat. Voll Uncool. Also ist Pro7 nun des Volk`s First Choice, wenn es um die Frage geht, wie wir unserem Abend verbringen, wenn wir grad mal nicht in der Stimmung sind, was sinnvolles zu machen. Mit den Kindern spielen oder so.
Jedenfalls hat sich Hans-Martin bei seinem Kampf ums Geld gegen Raab zugegebenermaßen nicht gerade beim Publikum und gemeinen Fernsehzombie beliebt gemacht. Hans Martin hält sich für überaus intelligent, ist sehr verbissen, arrogant, hat einen an der Waffel (was er durch eigenartige Selbstgespräche und ziemlich lächerlicher Körpersprache zum Ausdruck bringt) und ist irgendwie einfach nur ein totaler Unsympath. So einer, der mir oft Samstagmorgens um 6 nach dem Feiern im Bahnhof begegnet. Im Polohemd. Mit hochgestellten Kragen und großer Schnauze. So einen mag niemand wirklich.
Also ist sich nicht nur das Publikum, sondern auch wir – die schöne neue Webwelt, einig, dass wir Hans-Martin total doof finden müssen dürfen sollen und hauen auf ihn drauf und setzen an zum twitterigen Webprognom! Lyncht ihn! Wenn es schon nicht in echt geht dann wenigstens virtuell. Gibt ja keinen Pranger mehr auf dem Marktplatz und uns fehlt generell der willige Lynch-Nachschub. Außerdem ist Hans-Martin ja so ein Arschloch! Viel arschlöchiger natürlich, als der Erfinder dieser dollen Sendung. Lasst ihn uns hassen!
Innerhalb kürzester Zeit mutiert also Hans-Martin zu “Hassmartin” und geistert als Hashtag durch die ganze Twitterwelt. Gruppen bei Ich-bin-geiler-als-duVZ und Gesichtsbook werden erstellt und die Foren kochen über, vor Hasstriaden auf den doofen Hans-Martin. Und dann gewinnt er auch noch! Das ist in Good ol`Germany oft sowieso ein Todesurteil, denn die Deutschen sind als Neidgesellschaft bekannt und gönnen einem anderen Glück überhaupt nicht. Denn bei uns ist Glück = Geld und wenn der Gewinner dann noch unsympathisch ist, passt das natürlich noch besser. Los geht`s!
Das was am Samstag abging und ich nur nebenbei mitgekommen habe, war ein Armutszeugnis für uns, den Marktschreiern von Morgen. Den Typen, die auf einem Samstag-Abend nichts besseres zu tun haben, als vorm Rechner und TV zu sitzen, bewaffnet mit der mächtigsten Mobbingwaffe, seit der Schultoilette. Tha Intanöööööt!!!111
Natürlich ist Hans-Martin kein angenehmer Mensch und ich mag ihn genauso wenig. Es passt sich gut, dass ein Arschloch im Fernsehen auftaucht, kann man doch gut davon ablenken, dass man selbst eins ist und endlich mal wieder die Schnauze aufreißen. Lästern liegt in der menschlichen Natur und dir Mehrzahl meiner Artgenossen sieht das auch so. Das legitimiert alles und ich bin auf der sicheren Seite. Da kommt der Mainstream-Zug, auf den ich jetzt mal, geschützt durch Anonymität und Herdenzwang, aufspringen kann.
Menschen, die ein bisschen länger nachdenken danken euch für diese Einsicht in eure schöne, neue digitale Welt. Auch, wenn sie eine längst fällige Diskussion angestoßen hat.